Kurzzusammenfassung:
Halle/Saale, Marktplatz, Roland; Voruntersuchung, Erstellung eines Restaurierungskonzeptes und Restaurierung ausgeführt: 2004-2006
Auftraggeber: Stadt Halle

Objekt/Titel Roland
Standort Halle/S., Marktplatz, Ostseite des Roten Turmes
Material/Technik Buntsandstein, Fassungsreste
Datierung Roland 1719
Datierung Giebelrückwand/Sockel 1854
Bildhauer Johann George Bürger
Maße incl. Giebelrückwand (HxBxT) in cm
Höhe Sockel
Höhe Skulptur
ca. 743x148x133
ca. 226cm
ca. 421cm

Bei der heutigen Sandsteinskulptur des Roland handelt es sich um eine Nachbildung des hölzernen Roland aus dem 13. Jh. (um 1250). Es wird sich aber vermutlich nicht um eine direkte Kopie der Rolandskulptur des 13. Jh. handeln, sicherlich gab es mehrere Vorgänger- bzw. Nachfolgerskulpturen. Die heutige steinerne Kopie wurde 1719 durch den Bildhauer Johann George Bürger geschaffen.

Im Zuge der Sanierung des hallischen Marktplatzes wurde 2004 die Umbauung des Roten Turmes, eine Stahl- Glas- Konstruktion, demontiert. Dies machte auch die Demontage der Rolandskulptur erforderlich, die sich seit 1976 an einer Sandsteinwand an der Ostseite dieser Umbauung befand.

Hierfür wurde ich 2004 beauftragt, eine Zustandsaufnahme in Form einer Schadenskartierung vorzunehmen und die Demontage des insgesamt 7,43 m großen Objektes vorzubereiten.

Die vorgefundenen Schäden machten es erforderlich, dass in stark gefährdeten Bereichen Notsicherungen erfolgten, um einen schadfreien Abbau der Einzelteile zu gewährleisten. Dies beinhaltete vor allem Festigungen des Sandsteines in Flankenbereichen, die am Abbau besonders beanspruchten Bereiche. Die Demontage unter restauratorischer Begleitung übernahmen die Werkstätten für Denkmalpflege GmbH Quedlinburg. Skulptur, Sockel und Giebelrückwand zählen insgesamt 37 Teile, die beim Abbau gekennzeichnet und kartiert wurden. Die Skulptur selbst wurde aus 8 Teilen durch den Bildhauer gearbeitet.

Abbildung: Teil des Rolands während der Bearbeitung.

2005 folgten am Einlagerungsort detaillierte Voruntersuchungen, wie z.B. die Gesteinsbestimmung, Fassungsuntersuchung, Salzuntersuchung und die Erstellung von Musterflächen zur Restaurierung.



Abbildung: Roland vor und nach der Restaurierung.


Die Restaurierung und Konservierung der Rolandskulptur erfolgte 2006 unter der Maßgabe des kleinstmöglichen aber konservatorisch notwendigen Eingriffs. Vorrangig wurden Schäden und Schadenspotentiale behoben.

Fassungsreste wurden nachhaltig konserviert.

Dünn aufliegende, schwarze Krusten wurden anschließend mit einem Mikrofeinstrahlgerät ausgedünnt, allerdings nicht vollständig entfernt. Es galt alle Bearbeitungsspuren des Bildhauers zu erhalten.

Trotz der wieder sichtbar gewordenen unterschiedlichen Sandsteinfarbigkeiten der Einzelteile konnte ein homogenes Gesamtbild erzielt werden.

Alte und schadbringende Mörtel- bzw. Klebereste wurden abgenommen und korrodierende Metallteile entfernt.

Die Formergänzungen sind reversibel, ohne ein Zurückarbeiten des Untergrundes, mit einem dem Sandstein angepassten Mörtel ausgeführt. Risse und Schalen wurden gesichert und Wasserstandsflächen angeböscht.

2006 konnte die Skulptur wieder an der Ostseite des Roten Turmes aufgestellt werden.

Für ein wertvolles und vor der Konservierung so stark geschädigtes Objekt wie den hallischen Roland wurde dem Eigentümer eine mindestens zweijährliche Durchsicht im Sinne einer Pflege empfohlen. So können zukünftig kleine Schäden schnell erkannt und behoben werden.

vollständige Dokumentationen:
Grimm, C. (2004): Marktplatz Halle, Roland, Zustandserfassung und –dokumentation, Notsicherung, Vorbereitung und Begleitung Demontage, Lagerung
Grimm, C. (2005): Marktplatz Halle, Roland, Konzeption zur Konservierung und Restaurierung
Grimm, C. (2006): Marktplatz Halle, Roland, Konservierung und Restaurierung

archiviert bei:

  • Ingenieurbüro Kowalski & Irmisch, Halle
  • Stadt Halle, Eigenbetrieb ZGM
  • Landesamt f. Denkmalpflege und Archäologie Sachsen- Anhalt, Halle/S.
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