Kurzzusammenfassung:
Gernrode, St. Cyriakus, Hl. Grab; Voruntersuchung, Monitoring, Notsicherung, Erstellung eines Restaurierungskonzeptes
ausgeführt: seit 2003
Auftraggeber: Evangelische Kirchengemeinde St. Cyriakus, Gernrode (Harz)

Objekt/Titel Heiliges Grab
Standort östliche Joche des südlichen Seitenschiffs
Material/Technik Sandstein, Kalkstein, Stuck, Putz, z.T. polychrom gefasst
Datierung 11./12. Jh.
Maße (BxT) in cm
Vorkammer
Grabkammer

ca. 365x400
ca. 270x270

Das Heilige Grab in der Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode wurde vermutlich im 11. Jh. unter Verwendung der Seitenschiffumfassungswand in die beiden östlichen Joche des südlichen Seitenschiffes eingebaut. Es gilt als die älteste Nachbildung des Heiligen Grabes in Deutschland und ist mit seiner bauplastischen Ausstattung als einzigartig zu bezeichnen.

Das Heilige Grab in Gernrode besteht aus einer zweiräumigen Anlage, einem Vorraum und dem eigentlichen Grabraum. Ursprünglich gab es vermutlich lediglich ein Troggrab in einer Rundbogennische der Südwand. Diese wurde später zu der heutigen Doppelkammeranlage erweitert.

Abbildung: Äußere und innere Westwand des Hl. Grabes.

Die Außenwände der Anlage sind durch Reliefs geschmückt. Diese Reliefs sind aus Kalkstein, die Rund- und Tauprofile bzw. Pfosten aus Sandstein gefertigt. Fünf Reliefplatten bestehen aus Stuck.

In das Innere der Anlage gelangt man über einen Zugang der Vorkammer in der Nordwand. Im Westen dieser schlichten Vorkammer führt dann ein Zugang in die quadratische Grabkammer. Dieser Raum wird durch Trompen in ein Achteck übergeleitet, das ehemals ein achtseitiges Kuppelgewölbe trug. Die Wände der Grabkammer sind durch Rundbogennischen gegliedert, die Kanten sind als Halbsäulen ausgebildet. Die ursprüngliche Grabnische befand sich vermutlich in der Südwand. Später ist das Troggrab wohl in die Nordnische versetzt worden. In der westlichen Wandnische steht eine 2,15m hohe Stuckfigur des Auferstandenen oder eines Erzbischofs.

Das Heilige Grab befindet sich augenscheinlich in einem schlechten und akut gefährdeten Zustand. Aus diesem Grund wurde 2003 im Auftrag der Evangelischen Kirchengemeinde Gernrode ein detailliertes Schadensgutachten für die Natursteinbereiche der äußeren Westwand in Auftrag gegeben. 2005 wurde dieses Gutachten im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie auf den Innenraum erweitert.

Es wurde eine Bestands- und Zustandsaufnahme der Natursteinbereiche erstellt. Zusätzlich erfolgten Untersuchungen zur Feuchte- und Salzbelastung, Notsicherungen und die Anlage von Probe- bzw. Musterflächen.

Es zeigt sich deutlich, dass vor allem die Sandsteinelemente eine strukturelle Entfestigung aufweisen. Die Oberflächen sind stark sandend und zugerundet. Eine originale Oberfläche ist weitgehend verloren gegangen. Hier handelt es sich um ein schon länger vorhandenes Schadensbild. Im Bereich des Kalksteines zeigt sich hingegen ein deutliches Abschuppen und Abschalen verbunden mit einer ausgeprägten Rissbildung, häufig parallel zur Oberfläche. Hier gehen informationstragende Oberflächen verloren.

Als Hauptschadensursache ist neben klimatischen Beanspruchungen der hohe Gehalt an bauschädlichen Salzen im Gestein festzustellen. Es ist davon auszugehen, dass der Eintrag der Salze über aufsteigende Feuchte und aus dem Bereich der Südwand/Kreuzgang stattfindet. Diese Hypothese wird zusätzlich durch durchgeführte Feuchte- und Salzanalysen gestützt.

Abbildung: Qualitative Salzbestimmung mittel Röntgendiffraktion.



1619 wurde eine fürstliche Domäne im Stiftsbezirk errichtet. Hierfür wurden auch die Kirchenräume landwirtschaftlich genutzt. Bis in das 19. Jh. befindet sich im Kreuzgang u.a. der Pferdestall. Diese Art der Nutzung dauerte ca. 240 Jahre an. Hier sind die Quellen des Salzeintrages zu suchen. Bestätigt wird dies auch durch die qualitative Bestimmung der ausblühenden Salze. Hier wurden vorrangig Kaliumnitrate nachgewiesen. Kaliumnitrat ist ein typisches Fäkaliensalz und ist häufig in ehemals viehwirtschaftlich genutzten Gebäuden vertreten.

Abbildung: Detail der äußeren Westwand mit sichtbarer Schädigung.



Ein Teil des Schadensgutachtens war die Anlage von sog. Monitoring- Flächen. Ziel des Monitorings ist die genauere Einschätzung der Progressivität der Schäden am Hl. Grab. Aus diesem Grund werden ausgewählte Flächen in definierten Zeitabständen auf Veränderungen überprüft und dokumentiert. Diese Arbeit wird gegenwärtig im Sinne eines Langzeitmonitorings fortgesetzt.

Als erste Konsequenz aus den Ergebnissen des Monitorings wurden seit 2003 in gefährdeten Bereichen temporäre Notsicherungen durchgeführt. Dies stellt eine nachweislich wirksame Überbrückung bis zur Entwicklung eines nachhaltigen Konservierungskonzeptes dar. Einem weiteren Substanzverlust wird so temporär begegnet.

Die gegenwärtige Hauptaufgabe ist das Erstellen eines umfassenden Konservierungskonzeptes für das Hl. Grab. Hierzu gehören neben verbessernden flankierenden Massnahmen (z.B. Klima) die Vorfestigung und Festigung des Gesteins, die Schadsalzreduzierung und das Sichern von Rissen und Schalen. Erste Musterflächen hierzu konnten bereits erarbeitet werden.

vollständige Dokumentationen:
Grimm, C. (2003): St. Cyriakus, Gernrode, Heiliges Grab, Natursteinbereich Westwand, außen – Bestands- und Zustandserfassung, Monitoring, Temporäre Notsicherung, Anlage einer Probe zur Salzreduktion.
Grimm, C. (2004): St. Cyriakus, Gernrode, Heiliges Grab, Natursteinbereich Westwand, außen –Monitoring, Temporäre Notsicherung.
Grimm, C. (2005): St. Cyriakus, Gernrode, Heiliges Grab, Natursteinbereich Westwand, außen –Monitoring.
Grimm, C. (2005): St. Cyriakus, Gernrode, Heiliges Grab, Natursteinbereich Grabkammer innen, Nordwand außen. Zustandserfassung.
Grimm, C. (2006): St. Cyriakus, Gernrode, Heiliges Grab, Natursteinbereich Westwand, außen –Monitoring.

archiviert bei:

  • Planungsring, Wernigerode
  • Evangelische Kirchengemeinde St. Cyriakus, Gernrode (Harz)
  • Landesamt f. Denkmalpflege und Archäologie Sachsen- Anhalt, Halle/S.
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